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Sveiki und Moin aus Riga! – Unsere Erasmus+ Woche in Lettland

Riga erleben – eine Teilnehmerin erzählt von ihrem Erasmus+ Austausch im Baltikum

Acht Nachwuchskräfte und zwei Lehrkräfte der Akademie der Polizei Hamburg – ein Team mit Neugier im Gepäck und dem Ziel, Polizeiarbeit international zu erleben. So ging es für uns im Oktober im Rahmen einer Erasmus+ Gruppenmobilität in die lettische Hauptstadt Riga. Fünf Tage lang durften wir tief eintauchen – in das Ausbildungssystem, die Einsatzpraxis und die Polizeikultur Lettlands.

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Lernen, Trainieren, Erleben

Schon am ersten Tag wurden wir herzlich am State Police College (Valsts Policijas Koledža) von unserer Ansprechpartnerin Olga Anikoviča empfangen und in die Vielfalt der möglichen Ausbildungsgänge eingewiesen – von der klassischen Polizeiausbildung über berufsbegleitende Lehrgänge bis hin zu Weiterbildungen für Hochschulabsolventen. Schnell wurde deutlich: In Lettland sind die Wege in den Polizeiberuf deutlich modularer und flexibler gestaltet als bei uns. Besonders beeindruckte uns die Praxisnähe der Ausbildung: Viele Trainings finden unter realitätsnahen Bedingungen statt – etwa das Szenarientraining zur Bewältigung einer Amoklage, das für uns zu einem echten Highlight wurde. In gemischten deutsch-lettischen Teams mussten wir unter hohem Stress handeln, Entscheidungen treffen und klar kommunizieren. Der „Täter“ agierte mit einer FX-Waffe samt Platzpatronen, die Geräuschkulisse war ohrenbetäubend – Adrenalin pur. Diese Übung war für viele von uns ein Schlüsselmoment: Sie machte deutlich, wie wichtig klare Kommunikation, Vertrauen und Teamgeist im Einsatz sind – und dass Empathie und taktisches Können Hand in Hand gehen müssen. Ein besonderes Extra zeigte sich uns im Einsatz von Virtual-Reality-Technologie, mit der komplexe Einsatzlagen noch realistischer trainiert werden können.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie fachlicher Austausch

Im Austausch mit den lettischen Auszubildenden stellten wir fest, dass sich die Ausbildungssysteme in vielen Punkten ähneln – etwa in der Dauer, in den Prüfungsstrukturen und im hohen Stellenwert praktischer Trainings. Unterschiede liegen eher im Detail: In Lettland wird seltener mit Attrappen, dafür deutlich öfter in echten Szenarien unter realem Druck trainiert. Auch körperliche Fitness und Stressresistenz spielen eine zentrale Rolle. Was uns besonders positiv auffiel: Die lettischen Ausbilderinnen und Ausbilder agieren sehr pragmatisch und ressourceneffizient – sie setzen ihren Fokus auf Handlungskompetenz statt auf starre Abläufe. Diese Herangehensweise vermittelte uns wertvolle Impulse, wie Ausbildung praxisnäher und erlebnisorientierter gestaltet werden kann. 

Neben praktischen Trainings standen aber auch fachliche und strategische Themen auf dem Programm. Wir besuchten das Headquarter der State Police und bekamen einen Einblick in die hochmoderne und äußerst beeindruckende Einsatzleitstelle (PEZ), die Notrufe zentral digital erfasst und Einsatzkräfte automatisch disponiert. Auch beim Thema Digitalisierung zeigte sich, dass Lettland in vielen Bereichen weiter ist als wir: 
VR-Brillen, die Nutzung der fest etablierten Lernplattform Moodle und Blended-Learning-Formate gehören hier längst zum Alltag. Ebenso spannend war der Besuch der Wasserschutzpolizei und des Polizeihundezentrums. 

Kulturelle Eindrücke und persönliche Begegnungen 

Natürlich kam auch die Kultur nicht zu kurz. Eine Stadtführung durch die Altstadt von Riga, der Besuch des Kriegsmuseums, Unternehmungen mit den lettischen KollegInnen und gemeinsame Abende machten die Woche zu einer echten Begegnung zwischen Menschen, nicht nur zwischen Institutionen. Wir waren beeindruckt von der Offenheit, mit der uns die lettische Seite aufnahm. Trotz Sprachbarrieren funktionierte die Verständigung erstaunlich gut. Oft reichten Gesten, Humor oder einfach gegenseitiger Respekt. 

Was bleibt

Wir kehren zurück mit vielen neuen Ideen, spannenden Eindrücken und vor allem mit gestärkter Motivation. Die Woche in Riga hat gezeigt, wie wertvoll internationale Zusammenarbeit ist – nicht nur, um voneinander zu lernen, sondern auch um zu verstehen, dass wir alle vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Themen wie Stressbewältigung, Kommunikation und Interkulturalität sind universell – und der Blick über den Tellerrand eröffnet neue Perspektiven. Unsere Erasmus+-Mobilität war weit mehr als eine Studienreise – sie war ein lebendiger Austausch zwischen Menschen, die den gleichen Beruf ausüben, aber unterschiedliche Wege gehen. Aus Riga nehmen wir nicht nur Fachwissen mit, sondern auch neue Kontakte, Inspiration und das gute Gefühl, Teil eines europäischen Netzwerks zu sein, das Sicherheit und Zusammenarbeit großschreibt.

 

Emily Pagel