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Perspektiven statt Souvenirs – Mit Erasmus+ eine Woche in Athen

Ein bisschen Sonne, viel Fachwissen und jede Menge neue Eindrücke: Im Rahmen eines Erasmus+ Austauschs nahmen wir als Lehrkräfte der AK im Oktober am Job-Shadowing bei der griechischen Polizei teil. Ziel war es, neue Impulse für Lehre, Ausbildung und Digitalisierung an der Akademie der Polizei Hamburg zu gewinnen – und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu erweitern.
Ein Erfahrungsbericht von Clemens E. (AK23), Manuel C. (AK23), Christoph G. (AK32) und Stefan S. (AK21).

 

Ankommen in Athen

Am ersten Tag des Programms wurden wir herzlich von unserer Ansprechpartnerin, Police Captain Agapi Thomaidou, empfangen. Schnell zeigte sich: Die außerordentlich große Gastfreundschaft unserer griechischen Kolleginnen und Kollegen würde uns die gesamte Woche begleiten – ebenso wie das Verkehrschaos der Millionenmetropole.

Direkt am ersten Tag ging es in die Praxis: Bei der Fortbildungsabteilung des General Police Directorate of Attica konnten wir die Methoden der Praxisausbildung hautnah erleben und uns mit Ausbildern und Teilnehmenden austauschen. Besonders beeindruckend war hier: der strukturierte Trainingsaufbau und die konsequente Einbindung aller Beamtinnen und Beamten in die regelmäßigen Pflichttrainings. Wer nicht an den jährlichen Pflichtfortbildungen des Praxistrainings teilnimmt, wird sanktioniert.

Am Nachmittag folgte ein weiteres Highlight: der Besuch der Drohnen-Einheit. Die griechische Polizei setzt modernste Technik ein – von kleinen, wendigen Modellen für Demonstrationslagen bis zu hochspezialisierten großen Drohnen für Grenzüberwachung und Rettungseinsätze. Neben der Technik beeindruckte vor allem die Professionalität der Ausbildung, die auch durch eigene E-Learning-Plattformen unterstützt wird.

 

Spezialkräfte und Spezialeinblicke

Ein Besuch bei der Direktion der Spezialeinheiten bot am Folgetag Einblicke in das Schießtraining, taktische Übungen und die Arbeit der Anti-Terror- und Bombenentschärfungseinheiten. Unser Schießtrainer Clemens bewies eine hohe Treffsicherheit, traf auf 10 Meter Distanz eine aufgestellte Patronenhülse und wird fortan als Legende in Athen gehandelt. Die Demonstration der Schießflächen, der professionell ausgestatteten Simulationsräume und nicht zuletzt der intensive Austausch lieferten auch wertvolle Anregungen für die eigene Trainingspraxis.

 

Digitalisierung trifft Disziplin

Am Donnerstag stand die Polizeiakademie der Region Attica im Mittelpunkt. Dort erhielten wir Einblicke in Ausbildungsstrukturen, Unterrichtsmethoden und digitale Lehrkonzepte. Die Akademie setzt sowohl in der Aus- und Fortbildung bereits seit vielen Jahren auf eigens programmierte digitale Lern- und Lehrformate – ein weites und professionell aufgestelltes Angebot, bei dem man sich definitiv etwas abschauen kann. Interessant war für uns auch das Ausbildungsklima auf dem Campus: mitunter etwas militärisch geprägt, aber mit enger persönlicher Bindung der Auszubildenden an die Lehrkräfte und mit spürbar großem Engagement der Lehrenden und Lernenden. Auch hier beindruckten uns hohe Praxisanteile, häufige Simulationstrainings sowie eine inhaltlich breit aufgestellte theoretische Ausbildung, die permanent evaluiert, jährlich überarbeitet und angepasst wird.

Riot Control und Realität

Zum Abschluss besuchten wir die Riot-Control-Einheit (Y.A.T.). Hier standen die Themen politischer Extremismus in der Metropolregion und Einsatzstrategien bei Versammlungslagen im Fokus. Die Kollegen demonstrierten ihre Einsatzmittel und gaben uns beeindruckende Einblicke in ihren oft von gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägten Berufsalltag. Beim anschließenden Besuch einer Polizeiwache im Stadtteil Markopoulo konnten wir zudem Einsatzstrukturen vergleichen und uns mit Kolleginnen und Kollegen über den Berufsalltag austauschen.

 

Erkenntnisse und Ausblick

Auch wenn die täglichen Transfers quer durch die Stadt manchmal eher „Athen-Marathon“ als Erasmus-Mobilität waren, überwiegt eindeutig das Positive: Der Austausch mit den griechischen Kolleginnen und Kollegen zeigte, wie unterschiedlich, aber auch wie ähnlich Polizeiausbildung in Europa sein kann. Die Erasmus-Mobilität hat uns fachlich, sprachlich und persönlich weitergebracht – und einmal mehr gezeigt, dass europäische Zusammenarbeit im Polizeibereich weit mehr ist als ein formales Projekt. Sie schafft echte Verbindungen, Verständnis und Inspiration für die Arbeit zu Hause.

 

Christoph G. (AK32)