Hamburger Polizeijournal
Dritter Hamburger KI-Dialog
Der Hamburger KI-Dialog ist eine Netzwerkveranstaltung rund um das Thema Digitalisierung der Stadt Hamburg, die mit spannenden Vorträgen und Paneldiskussion in die dritte Runde ging. Ausrichterin der Veranstaltung war dieses Mal die Polizei Hamburg, die zahlreiche Gäste in den Veranstaltungsraum „Landungsbrücken“ im Haus 3 auf dem AK-Gelände lud.
Vertretende der Hamburger Behördenlandschaft und daran angeschlossene Unternehmen, wie z.B. Dataport, wurden von den Organisatoren der KI-Dialog-Reihe begrüßt und auf eine informative Reise durch die digitale Welt der Polizei Hamburg mitgenommen, bei der auch Einblicke in die neuesten KI-Projekte nicht fehlen durften.
Unser Polizeipräsident Falk Schnabel richtete seine Grußworte an die Teilnehmenden und betonte die Relevanz der digitalen Entwicklung gerade auch für Sicherheitsbehörden.
Er übergab das Wort an Daniel Steinlandt, ITSL der Polizei Hamburg. Steinlandt referierte zum Thema „Digitale Polizei: Innovation ermöglichen, Vertrauen sichern“. Sein Beitrag zeigte u.a. auf, wie viele mobile Applikationen bereits heute die Arbeit der Polizei Hamburg unterstützen (z.B. laufen Programme wie mARS, mDakty, mScan, mTracking u.v.m auf über 5.000 polizeilichen iPhones) und wie wichtig es ist, Akzeptanz durch Beteiligung und Transparenz zu erreichen. Ein zentraler Punkt ist zudem auch die zukünftige Entlastung durch Automatisierung repetitiver Aufgaben und der gezielte Einsatz von Fachkräften.
Der daran anschließende Beitrag von Finn Dohrn, KI-Beauftragter der Polizei Hamburg, zeigte auf spannende Weise, welche innovativen Ansätze die Polizei Hamburg unter anderem bei der Deep Fake Erkennung verfolgt. Mittels eines bislang noch nicht öffentlich gezeigten Prototyps demonstrierte Finn am Beispiel verschiedener Tonspuren von Polizeipräsident Falk Schnabel, wie einfach es ist, Deep Fakes mit Hilfe von KI zu generieren. Die Teilnehmenden konnten keine Unterschiede zwischen Original und Fälschung erkennen – das neu entwickelte System allerdings schon. Ein Gerät, das einer kleinen Bluetooth-Box nachempfunden wurde, analysiert nahezu in Echtzeit, ob es sich bei der Tonspur um die Originalstimme des Sprechers handelt oder ob diese KI-generiert ist. Dieses System wird sicherlich zukünftig in vielen verschiedenen Szenarien Anwendung finden.
Nach einer kurzen Pause startete die Paneldiskussion, die durch die Moderatorin Marina Tcharnetsky, CBDO und Ambassador, ARIC, geführt wurde. Als Gäste diskutierten Robert Felber (Hochbahn), David Richter (BIS) und Prof. Hannes Federrath (Universität Hamburg) zum Thema „Resilienz, Cybersecurity und KI in Hamburg“.
Es wurde deutlich, dass Innovation und Risikomanagement Hand in Hand gehen müssen: Wie schützen wir kritische Infrastrukturen und wie begegnen wir neuen Bedrohungen? Die Diskussionen zeigten, dass klassische, oft langwierige Behördenprozesse agile Reaktionen auf Bedrohungslagen erschweren können. Hier brauche es passende Wege, um schneller und flexibler auf Gefahren reagieren zu können. Auch Prävention als ein wichtiger Baustein dürfe nicht außer Acht gelassen werden. Häufig sind es unbedachte Aktionen, die einen externen Zugang zur IT-Infrastruktur erst ermöglichen.
Offenheit, der direkte Austausch mit Akteuren und eine „Boots on the ground“-Mentalität seien entscheidend, um flexibel und praxisnah zu handeln. Gleichzeitig wurde die Bedeutung einer zentralen Steuerung von Cyber-Sicherheitsprozessen betont: Klare Governance-Strukturen für KI, Cyber-Sicherheit und Regulatorik seien notwendig, um Geschwindigkeit und Sicherheit miteinander zu verbinden. Dezentrale, agile Projekte bräuchten eine zentrale Steuerung, um Regularien einzuhalten und Risiken zu minimieren.
Die Entwicklung eines praxiswirksamen Kompetenzclusters, die Berücksichtigung von Sicherheit in Lieferketten und die Herausforderung, passendes Personal zu finden, wurden als weitere zentrale Themen diskutiert. Laut Prof. Hannes Federrath sei es zudem wichtig, dezentrale Strukturen zu fördern, um keinen „Single Point of Failure“ im Falle eines Angriffs zu riskieren.
Ein weiteres Anliegen war die Verbesserung des Bevölkerungsschutzes, auch um hybride Bedrohungen frühzeitig zu erkennen. Aktuell fehle es noch an einem umfassenden Lagebild zu Cyberangriffen und an effektiven Erkennungsmöglichkeiten.
Und auch die Rolle der Bildung wurde kritisch beleuchtet: Im Vergleich zu anderen Bundesländern sei Hamburg bei der Anzahl der KI-Professuren deutlich im Rückstand. Ohne ausreichende finanzielle Mittel an den Universitäten bleibe das Innovationspotenzial begrenzt.
Ein wichtiger Aspekt sei zudem die Befähigung des vorhandenen Personals: KI könne z.B. die Entwicklung von Software beschleunigen, doch wer kontrolliert die Ergebnisse und erkennt Schwachstellen? Es gilt, Kompetenzen zu erhalten und weiterzuentwickeln, um auch bei Ausfall der Technik handlungsfähig zu bleiben. Ein Deskilling, also ein Verlust von Fachwissen, sei bestenfalls zu vermeiden.
Abschließend wurde betont, wie wichtig es sei, nicht in Silos zu denken, sondern als Gemeinschaft offen zu diskutieren, voneinander zu lernen und Fehler als Chance zur Weiterentwicklung zu begreifen.
Der Hamburger KI-Dialog endete mit einem lockeren Netzwerk-Austausch bei sonnigem Hamburger Frühlingswetter auf der Dachterrasse des AK-Gebäudes. Die Veranstaltungsreihe ist eine geeignete Plattform, um sich über aktuelle digitale Entwicklungen der Stadt zu informieren, Kontakte zu knüpfen und gemeinsam an einer digitalen und resilienten Zukunft für Hamburg zu arbeiten.
Wer jetzt mehr zum Thema Digitalisierung der Stadt Hamburg wissen möchte:
Fortschritt – Innovation – Vernetzung: Digitalstrategie für Hamburg – einfach machen.
https://digital.hamburg.de/digitale-stadt/digitalstrategie/hamburg-644220
Digitalstrategie für Hamburg (PDF)
https://digital.hamburg.de/resource/blob/1010436/3d2434f6488b743c92c732e12b66d295/pdf-digitalstrategie-2025-data.pdf
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