Ein Abschied mit Herz, Takt und großem Applaus
Seit über drei Jahrzehnten stand sie am Dirigentenpult des Polizeiorchesters Hamburg - mit Leidenschaft, Hingabe und einem feinen Gespür für Musik und Menschen: Chefdirigentin Frau Dr. Kristine H. Kresge.
Seit Anfang 1992 prägte sie das Orchester nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich - mit Leib, Seele und viel Herzblut. Unter ihrer Leitung entwickelte sich das Polizeiorchester zu einem modernen Klangkörper, das traditionelle Musikstücke mit denen der Moderne vereint.
Beim großen Herbstkonzert gestern verabschiedete sie sich nun mit einem fulminanten letzten Auftritt in den wohlverdienten Ruhestand. Zum Abschied haben wir der gebürtigen New Yorkerin drei spannende Fragen gestellt.
Was war Ihr ganz persönlicher Höhepunkt aus über 30 Jahren Orchesterleitung?
„Einen einzelnen Höhepunkt gibt es eigentlich nicht. Musikalisch unvergesslich waren für mich die großen Konzerte in der Laeiszhalle, beim NDR, in der Elbphilharmonie, in Planten und Blomen und auf dem Rathausmarkt. Aber auch ganz besondere, eher ungewöhnliche Auftritte gehören dazu – zum Beispiel, als wir einmal im Stall der Pferde unserer Reiterstaffel gespielt haben, damit sich die Tiere an den hohen Geräuschpegel gewöhnen. Das war sicher ein sehr spezielles ‚Konzert‘.
Was ich auch nie vergessen werde, ist ein Tag an dem wir ein Konzert auf dem Rathausmarkt hatten. Ich musste sehr früh aufstehen und war deshalb irgendwie genervt. Nach unserem Konzert kam eine Frau zu mir, die mir erzählte, dass sie gerade ihre erste Chemotherapie machen müsse und von unserer Musik sei sie so berührt gewesen, dass sich ihr gesamter Tag nun verändert habe. Da wurde mir bewusst, wie dankbar ich sein kann, dass wir mit unserer Musik Menschen erreichen können."
Wie hat sich das Polizeiorchester in dieser Zeit verändert - und wie haben Sie sich verändert?
„Das Orchester hat sich massiv verändert. Am Anfang war das Verhältnis von Beamtinnen und Beamten zu Angestellten ungefähr fünfzig-fünfzig. Mit der Zeit sind es dann nur noch Profimusikerinnen und -musiker geworden – der letzte Beamte ist vor etwa zwei Jahren gegangen. Außerdem ist das Orchester viel internationaler geworden. Ein großer Schritt nach vorne war auch vor einigen Jahren der Wechsel in unseren jetzigen Proberaum, in dem wir uns sehr wohlfühlen. Ich selbst habe in all der Zeit gelernt, dass ich nicht alles alleine machen muss. Ich habe Geduld entwickelt und auch Vertrauen in meine Mitarbeitenden.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Orchesters - und für sich selbst?
„Mein einziger Wunsch ist, dass mein Lebenswerk, also das Orchester, bestehen bleibt.“
Wir bedanken uns für die langjährige musikalische Bereicherung und Hingabe für das Polizeiorchester und wünschen Frau Kresge für ihren Ruhestand nur das Beste.
Katharina Dehn, PÖA 2