Kriminalstatistik 2019: Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, so niedrig wie zuletzt 1979

Gesamtzahl der Delikte sinkt im vierten Jahr in Folge / Wohnungseinbrüche auf niedrigstem Stand seit 45 Jahren / Aufklärungsquote steigt weiter

Kriminalstatistik 2019: Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, so niedrig wie zuletzt 1979

Hamburgs Innensenator Andy Grote, Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und der Leiter des Landeskriminalamtes Mirko Streiber haben am 7. Februar 2020 die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2019 vorgestellt.

Die Gesamtzahl der erfassten Delikte ging 2019 bereits im vierten Jahr in Folge deutlich zurück, konkret um weitere 3,6 Prozent auf insgesamt 210.832 Taten. Das ist der niedrigste Stand seit 38 Jahren. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden (Zahl der Taten je 100.000 Einwohner) war 2019 sogar so gering wie seit 1979 nicht mehr. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote weiter und erreichte mit 46,7 Prozent (Vorjahr: 45,8 Prozent) den höchsten Stand des Jahrzehnts.

Kriminalitätslage Hamburg 2019

Wohnungseinbrüche auf niedrigstem Stand seit 1974

Besondere Erfolge konnten erneut bei der Bekämpfung von Diebstahlsdelikten erzielt werden. Ihre Zahl sank, ebenso wie die Gesamtkriminalität, das vierte Jahr in Folge. Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl war 2019 ein erneuter Rückgang um 6,3 Prozent auf 4.313 Fälle zu verzeichnen. Damit ist zum zweiten Mal in Folge ein historischer Tiefststand erreicht, die Fallzahlen sind so niedrig wie seit 45 Jahren nicht – seit 1974. Allein in den vergangenen vier Jahren konnten die Zahlen beim Wohnungseinbruch dank intensiver polizeilicher Maßnahmen mehr als halbiert werden. Das Landeskriminalamt setzt hier auch weiterhin einen Schwerpunkt und hält den Verfolgungsdruck mit zielgerichteten operativen Maßnahmen und hohem Personaleinsatz konsequent hoch.  Darüber hinaus scheitern Einbrecher immer häufiger an gut gesicherten Fenstern und Türen. In 2.069 (48 Prozent) der insgesamt 4.313 Fälle gelang es den Tätern nicht, in die Wohnung oder das Haus einzudringen – ein gemeinsamer Erfolg von Bürgern und polizeilicher Präventionsarbeit („In Hamburg schaut man hin“).

Historisches Tief bei Kfz-Delikten, zweistellige Rückgänge bei Fahrrad- und Taschendiebstahl

Trotz steigender Kfz-Zulassungszahlen werden in Hamburg immer weniger Autos aufgebrochen oder gestohlen. Entwendet wurden 2019 noch 1.662 Fahrzeuge, 104 weniger als 2018. Insgesamt ging der Diebstahl von und aus Autos abermals um rund zehn Prozent auf 14.803 Taten zurück. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1971.
Dank einer erfolgreichen Fahndungs- und Einsatzkonzeption kombiniert mit intensivem Präventionsaufwand gelang es der Polizei, auch die Zahl der Fahrraddiebstähle weiter zu reduzieren. Hier gehen die Taten bereits im dritten Jahr in Folge deutlich zurück. 2019 erhöhte sich das Minus auf rund 12 Prozent, so dass noch einmal 1.639 Fahrräder weniger als 2018 gestohlen wurden. Weiterhin hohe Priorität für die Polizei hatte 2019 auch die Bekämpfung des Taschendiebstahls. Mit anhaltendem Erfolg: Die Fallzahl ging im vierten Jahr in Folge spürbar zurück, zuletzt um 15,2 Prozent auf 11.722 Taten.

Erneut deutlicher Rückgang der Gewaltkriminalität

Auch die Gewaltkriminalität, die das Sicherheitsgefühl der Menschen stark beeinflusst, geht weiter zurück. 2019 verzeichnete die Polizei 7.186 Taten, ein deutlicher Rückgang um 6,3 Prozent. Besonders erfreulich entwickelten sich dabei die Raubdelikte. Die Fallzahl sank um 8,4 Prozent auf 1.822 Taten – das ist der niedrigste Stand seit 1979. Knapp die Hälfte aller Raubdelikte ereignen sich auf Straßen, Wegen und Plätzen. Hier gehen die Fallzahlen seit mehr als sechs Jahren kontinuierlich zurück, zuletzt um 150 (15,2 Prozent) auf aktuell 834 Taten. Polizeiliche Präsenzmaßnahmen, insbesondere im Innenstadt-Bereich, haben dabei nachhaltig Wirkung gezeigt.

Auch bei den Körperverletzungsdelikten setzt sich der kontinuierliche Abwärtstrend fort. 2019 konnte mit einem Minus um knapp zwei Prozent der niedrigste Stand seit dem Jahr 2005 erreicht werden. Der Rückgang resultiert dabei vor allem aus Abnahmen bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen. Diese reduzierten sich um 308 Taten (5,7 Prozent), bei den vorsätzlichen einfachen Körperverletzungen wurden noch einmal 95 Fälle weniger als im Vorjahr registriert.

Die Zahl der vorsätzlichen Tötungsdelikte ging 2019 erneut um 13 Fälle auf nunmehr 46 Taten zurück (-22 Prozent). Dabei blieb es in 33 Fällen beim Versuch, neun Totschlagsdelikte und vier Morde wurden vollendet.

Betrugsdelikte insgesamt rückläufig – Polizei setzt Schwerpunkt auf Prävention

Nach einem leichten Anstieg im Vorjahr ist die Zahl der Betrugsdelikte 2019 wieder um 7,6 Prozent auf 30.636 Taten gesunken. Im Bereich des Waren- und Warenkreditbetrugs, bei dem das Internet als bevorzugter Absatzraum für Konsumgüter eine besonders große Rolle spielt, sanken die Fallzahlen sogar um 21,8 Prozent auf 8.264 Fälle. Hier dürften sich neben Präventionsmaßnahmen auch eine verbesserte Sicherheitstechnik wie das neue TAN-Verfahren im Online-Zahlungsverkehr positiv auswirken. Im Fokus der Polizei bleibt auch weiterhin das Phänomen betrügerischer Anrufe, von denen allein im vergangenen Jahr über 3.200 (Vorjahr: 2706) registriert wurden. Allerdings scheitern fast 99 Prozent solcher Anrufe, weil Betroffene immer häufiger sensibilisiert waren. In 40 Fällen waren Trickbetrüger als „falsche Polizisten“ jedoch erfolgreich und schädigten ihre Opfer um teilweise hohe Geldbeträge. Die Polizei setzt daher ihre intensive Präventions- und Medienarbeit in diesem Bereich konsequent fort.

Hamburgs Innensenator Andy Grote: „Die Hamburger können verdammt stolz auf ihre Polizei sein. Das Leben in unserer Stadt wird von Jahr zu Jahr sicherer – das spüren die Menschen auch in ihrem Alltag. Gerade in sensiblen Deliktsbereichen wie Einbruch, Diebstahl, Raub oder Körperverletzung können wir nun schon das vierte Jahr in Folge deutlich sinkende Zahlen vermelden. Die niedrigste Kriminalität seit Ende der 70er-Jahre ist eine bärenstarke Bilanz, die wir dem täglichen unermüdlichen Einsatz unserer Polizistinnen und Polizisten zu verdanken haben. Und zugleich ein Beleg dafür, dass sich die nachhaltigen Investitionen in Personal und Ausstattung unserer Polizei spürbar auszahlen.“

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer: „Die Zahlen zeigen, dass Hamburg so sicher ist wie seit den 70er Jahren nicht mehr. Wir haben erneut geliefert: Ein großer Dank geht an meine Kolleginnen und Kollegen, die diesen Erfolg durch ihr täglich hohes Einsatzpensum erst ermöglicht haben. Königsdisziplin bleibt der Wohnungseinbruch, der mehr als halbiert auf den niedrigsten Stand seit 1974 zurückgedrängt wurde. Jetzt gilt es weiter zu arbeiten mit erhöhter Präsenz und neuen Ideen."

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