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50 Jahre Diensthundeschule – Hamburgs Spürnasen feiern Jubiläum!

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Die Diensthundeschule der Polizei Hamburg wird 50 – und das ist der perfekte Anlass, einmal hinter die Kulissen dieser besonderen Institution zu blicken. Hier geht es nicht nur um "Sitz" und "Platz", sondern um Teamwork, Innovation, jede Menge Herzblut und eine beeindruckende Entwicklung der Ausbildung.

Also habe ich mich mit dem Leiter der Diensthundeschule Jan Kulig verabredet. Das Navi führte mich nach der Zieleingabe „Borghorster Hauptdeich“ und knapp 55 Minuten Fahrzeit direkt in ein eingezäuntes 40 ha großes Naturschutzgebiet. 

Die Diensthundeschule (DHS) ist organisatorisch bei der LBP 032 angegliedert und hat ihren festen Sitz in Altengamme – und das schon seit dem 1. Juli 1975. Sie ist Ansprechpartnerin für alle Belange des Diensthundewesens, also die Aus- und Fortbildungsstätte unserer Diensthunde. Zudem werden Dienstunterrichte durch die DHS an der Akademie oder anderen Dienststellen gehalten, um für das richtige Verhalten bei gemeinsamen Einsätzen mit den Diensthunden zu sensibilisieren und aufzuzeigen, worauf man im Einsatz zu achten hat.

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Die Diensthundeführenden, mit ihren aktuell über 40 Hunden, sind wiederum bei der LBP 7 angegliedert. 
Aber auch an der DHS sind Kollegen auf vier Pfoten zu finden, denn die hier eingesetzten Polizeikräfte führen selbst auch Diensthunde. Zudem sei erwähnt, dass die DHS mit der Hamburger Hochbahnwache (HHW) einen Kooperationsvertrag hat. Dementsprechend werden die Hunde der HHW ebenfalls hier aus- und fortgebildet.

„Die Hunde sind in der Überzahl“:

LBP032/Diensthundeschule

1 SGL

1 Ausbildungsleiter

1 Zwingerwart

7 Fachlehrende 

1 Fachlehrer der HHW 

1 Unterstützungskraft der HHW

12 Diensthunde (zwei Personenspürhunde, ein Schutzhund, zwei in der Aufzucht, ein Leichenspürhund, drei Brandmittelspürhunde, drei Datenträgerspürhunde)

 

Von der Vergangenheit in die Zukunft – mit Herz und Verstand

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Damals wie heute ist das Ziel klar: Die zentrale, professionelle Ausbildung unserer tierischen Kollegen. Früher wurde mit härteren Mitteln gearbeitet – Teleimpulsgeräte und Stachelhalsbänder gehörten zum Standardrepertoire, Tierwohl spielte eine untergeordnete Rolle, und von kynologischem Sachverstand (Anm. d. Red.: die Lehre vom Hund) war nur punktuell etwas zu spüren. Heute kaum noch vorstellbar – aber wichtig, um zu sehen, wie weit wir gekommen sind. In den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich nicht nur die Ausbildung, sondern auch die rechtliche Grundlage (z.B. die Tierschutzhundeverordnung) bedeutend verändert. Ein echter Meilenstein war 2022 die Umstellung auf das "Welpenkonzept". 

Früher wurden Hunde mit etwa eineinhalb Jahren gekauft Um sie auszubilden und Fehlprägungen zu korrigieren, benötigte es damals häufig auch aversive Mittel und Methoden. Gelegentlich wurden auch Ausbildungshalsbänder, umgangssprachlich „Stachelhalsbänder“ genutzt. Heute entscheidet sich die Diensthundeschule bewusst für den eigenen Weg: Welpenkauf bei zertifizierten Züchtenden, ausschließlich in Deutschland. Es gibt eine „Züchterliste“ – oder man greift auf die eigene Zucht der Polizei Nordrhein-Westfalen zurück. Heutzutage werden angehende Diensthunde also von klein auf altersadäquat und mit viel Zeit auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet. Fehlprägungen der Vergangenheit werden so vermieden und am Ende steht ein Hund, der bei seiner/seinem Hundeführerin/Hundeführer aufgewachsen ist und seine „Arbeit“ liebt. Ein Gewinn für alle Beteiligten.

Ein Konzept, das auch bei anderen Polizeien und der Bundespolizei auf großes Interesse stößt. Hier wird durch unsere DHS im Rahmen einer Zusammenarbeit unterstützt und es werden Seminare mit anderen Bundesländern gehalten.

Die Zuweisung der Welpen erfolgt durch die Diensthundeschule, während die Hundeführenden gemeinsam mit der LBP 7 ausgesucht werden. Wenn die Welpen acht Wochen alt sind, kommen sie in ihre neuen Familien – zu den Menschen, mit denen sie künftig in den Einsatz gehen. Nach einer zweiwöchigen Eingewöhnung startet dann die Ausbildung – langsam, altersgerecht und im engen Miteinander von Mensch und Tier. Ziel ist eine tiefe Bindung und ein Hund, der seine Aufgaben versteht und liebt. Die Hunde leben alle bei ihren Hundeführerinnen und -führern zuhause. Für Pflege und Futter sind die Kolleginnen und Kollegen verantwortlich, finanziell erhalten sie dafür eine kleine Aufwandsentschädigung. Tierarztkosten werden von der Behörde übernommen. 

 

Einsatzschwerpunkte damals und heute

Die Einsatzschwerpunkte der Diensthunde sind im Kern gleichgeblieben, doch das Gefährdungspotenzial - etwa durch Messerangriffe - ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Der Diensthund ist dabei ein wichtiges Einsatz-, aber kein Allheilmittel: Er kann Angreifende ablenken oder entwaffnen, ist aber keine Waffe im rechtlichen Sinne, sondern ein Hilfsmittel der körperlichen Gewalt – und immer noch eine Stufe unter der Schusswaffe. In vielen Fällen gibt es schlicht keine Alternative. Die Bilanz spricht für sich: In den letzten 15 Jahren wurden bei den unzähligen Einsätzen nur zwei Hunde schwer verletzt – beide sind nach ihrer Genesung wieder in den Dienst zurückgekehrt.

Das Spektrum der Diensthunde ist heute jedoch breiter denn je: Neben Schutzhunden gibt es spezialisierte Sprengstoffspürhunde, Rauschgiftspürhunde, Datenträgerspürhunde, aber auch Blut- und Leichenspürhunde, Brandmittelspürhunde sowie Personenspürhunde und Banknotenspürhunde. Jeder dieser Hunde hat eine klare Aufgabe und bringt dafür ganz spezielle Fähigkeiten mit.

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Die Digitalisierung führt auch bei der DHS zu Veränderungen und hat 2024 den neuesten Coup hervorgebracht: Die Datenträgerspürhunde sind echte Spezialisten und kommen im Schnitt einmal pro Woche zum Einsatz, häufiger als Leichen- oder Brandspürhunde zusammen! Insgesamt gibt es derzeit drei „digitale Spürnasen“, die aktuell alle an der DHS stationiert und darauf spezialisiert sind Datenträger zu erschnüffeln.

Auch, wenn die Polizeishow der Vergangenheit angehört ... Auf verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem HIT-Tag der Polizei Hamburg, gehört die Truppe unserer DHS zu den absoluten Publikumslieblingen. 

Der Weg zum Schutzhund – mehr als Zähne zeigen

Alle Hunde - mit Ausnahme der Personenspürhunde - beginnen mit der Schutzhundeausbildung. Diese hat es in sich: Der Hund lernt zunächst einfache Kommandos wie Sitz, Platz, Fuß. Im weiteren altersadäquaten Verlauf steigert sich das Training unter anderem zum „Stöbern“ (durchsuchen), auf Kommando Personen stellen, Abzusichern und sich im Einsatz mit erhöhter Gefährdungslage zurechtzufinden. Ziel ist ein Tier, das den Hundeführenden in gefährlichen Situationen Schutz bietet, dabei aber stets kontrollierbar bleibt – also kein wilder „Beißer“, sondern ein führbares Einsatzmittel mit klarer Aufgabe. Eine Übungssequenz dauert meist nur wenige Minuten, dann folgt eine lange Pause.

Aktuell umfasst der Bestand der Diensthundestaffel (LBP 7) über 40 Hunde, darunter: vier reine Schutzhunde, 13 Sprengstoffspürhunde, 15 Rauschgiftsuchhunde und vier Personenspürhunde zudem vier Hunde, die sich aktuell in Schutzhundeausbildung befinden und drei in der Ausbildung zum Personenspürhund.

Die Ausbildung umfasst 18 Monate und schließt mit einer Prüfung ab, die bestanden werden muss. Erst dann darf das Team sich Diensthund und Diensthundeführerin/-führer nennen.
 

Vielfalt auf vier Pfoten – die Hunderassen

Bei den Schutzhunden kommen vor allem die zum Einsatz, die körperlich und mental voll auf Zack sind: Deutsche Schäferhunde, Belgische Schäferhunde (Malinois), Holländische Schäferhunde. Diese Rassen bringen genau das mit, was es braucht: körperliche Kraft, Arbeitswille, Belastbarkeit, Führigkeit – und jede Menge Herz für den Job.

Im Bereich Personenspürhunde wird hingegen auf echte Spezialisten der Nase gesetzt: Bayerische Gebirgsschweißhunde und Hannoversche Schweißhunde. Diese Rassen wurden gezielt für die Spurensuche gezüchtet und sind in ihrer Disziplin kaum zu toppen.

Auch in der Hamburger Diensthundeschule wurde bereits eigenständig gezüchtet, derzeit geben die Ressourcen allerdings keinen „eigenen Wurf“ her.
 

Aus- und Fortbildung & Technik: Immer am Puls der Zeit

Natürlich ist auch nach der Grundausbildung nicht Schluss: Hund und Mensch müssen 16-mal im Jahr zur Fortbildung. 
Im Verlauf der Ausbildung zeigt sich meist, welcher Hund für eine mögliche Spezialisierung eingesetzt werden kann. Diese Ausbildungen benötigen dann weitere drei bis vier Monate Zeit. Auch die SEK-Hunde werden in der DHS ausgebildet. 
Alle spezialisierten Teams absolvieren zusätzlich vier Spezialtrainings im Jahr à vier Tage an diversen Örtlichkeiten in und um Hamburg. Die Hundeführenden der LBP 7 haben dafür wöchentliche Übungsmöglichkeiten direkt an der Diensthundeschule. Zudem muss sich jedes Diensthunde-Team einmal jährlich einer Überprüfung stellen. Dazu bekommen die Teams aus Mensch und Tier eine bestimmte Aufgabe gestellt mit einem festgelegten Übungsablauf, deren Bewältigung sie gemeinsam über einen Zeitraum von sechs Monaten erlernen und bei einer Prüfung erfolgreich absolvieren müssen. So kann sichergestellt werden, dass der Diensthund weiterhin unter dem Gehorsam seiner oder seines Diensthundeführerin /-führers steht.

Und auch wenn Technik in das breite Aufgabenfeld der Polizeiarbeit immer mehr Einzug hält – die Rolle des Hundes bleibt unersetzbar. Drohnen etwa sind bei der Personensuche in weitläufigem Gelände super, aber sie können niemanden stellen oder festhalten. Bis heute gibt es keine Technologie, die an die Fähigkeiten eines Hundes heranreicht. Die Hundenase bleibt unübertroffen, wenn es um das Aufspüren von Menschen oder Gegenständen geht. Der Hund ist das Allround-Werkzeug der Polizei – schnell, präzise, flexibel.
 

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Blick in die Zukunft

Auch wenn die Diensthundeschule inhaltlich auf einem richtig guten Weg ist – die Zukunft bringt neue Herausforderungen. Das Aufgabenspektrum wächst stetig, vor allem durch das noch junge, aber sehr personalintensive Feld der Datenträgerspürhunde. Diese Entwicklung macht deutlich: Personell wäre eine Aufstockung dringend wünschenswert.

Die Umstellung auf den Welpenkauf bringt zwar enorme Vorteile, bedeutet aber auch: Die Hunde sind viel länger da, die Ausbildung dauert entsprechend länger, und die Ressourcen werden knapper. Gleichzeitig steigt das Angebot an Lehrgängen, die erfüllt werden wollen.

Wesentlich ist das Engagement und die Leidenschaft mit der die Kolleginnen und Kollegen der DHS ihren Job machen. So ist es keine Seltenheit, dass praktische Dinge auch mal aus eigener Tasche angeschafft werden, wie beispielsweise ein kleines Hundeplanschbecken zur Abkühlung oder auch dieses Trainingsgerät. Um insbesondere die Datenträgerspürhunde bestmöglich zu trainieren ist es wichtig, dass sie genau da suchen, wo der Finger des Menschen hinzeigt und keinen Zentimeter verpassen. Diese Lochwand ist bestens geeignet, um Datenträger so zu platzieren, dass sie für den Hund nicht sichtbar sind und ganz genau erschnüffelt werden müssen. Eine grandiose Trainingsmöglichkeit, die die Kolleginnen und Kollegen auf eigene Kosten und in Eigenarbeit erschaffen haben.
 

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Was die Ausbildung angeht, ist die Diensthundeschule auf bestem Wege und dient mittlerweile sogar als Vorbild für andere Verwaltungen. 

Die enge Zusammenarbeit mit anderen Institutionen hilft: So trainiert auch die Justiz regelmäßig auf dem Gelände, und durch die Kooperation mit der Hochbahnwache gehört sogar ein fester Ausbilder von der Hochbahn zum Team.

Durch die Entsendung von Ausbildenden in andere Bundesländer werden neue Impulse und frischer Input gesammelt. Denn nur wer über den Tellerrand schaut, bleibt am Puls der Zeit.

Und wenn für die vierbeinigen Kollegen irgendwann die aktive Dienstzeit endet – meistens im Alter von sieben bis zehn Jahren – geht's ab in den wohlverdienten Ruhestand. In fast allen Fällen bleiben die Hunde bei ihren Hundeführenden und genießen dort ihr Privatleben in vollen Zügen.

 

Zum Schluss noch ein „Kurz gefragt - schnell geantwortet“ mit Jan Kulig:
 

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Wer hat hier eigentlich das Sagen - der Mensch oder der Hund?
Am Ende immer der Mensch.

Gab's mal einen Vierbeiner, der ganz klar die Schule geschmissen hat?
Ja, kommt vor! Letztes Beispiel: Coby – der Hund kam damals aus dem Tierheim, hatte aber so gar keine Lust auf Polizeiarbeit. Heute lebt er ganz entspannt bei einer Kollegin als glücklicher Privathund.

Was war der kurioseste Gegenstand, den ein Spürhund jemals gefunden hat?
Ein Sexspielzeug. Das war bei einer BTM-Durchsuchung. Der Hund schlug an – bei einem großen Phallussymbol. Der Beschuldigte gab später an, dass das Objekt wohl mit Kokain eingeschmiert
wurde.

Welcher Einsatz ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Unvergessen bleibt ein Einsatz in Schweden. Zwei unser Leichenspürhunde wurden nach Anforderung entsandt und konnten zwei Jahre nach einer Tat auf einem alten Fußboden noch Blutspuren finden und so zur Aufklärung beitragen – das war ein toller Erfolg. Oder als einer unser Datenträgerspürhunde ein verstecktes Handy aufspürte, das bei mehreren klassischen Durchsuchungen im Vorwege unentdeckt geblieben war. Aber auch eine spektakuläre Festnahme, die mein vorheriger Diensthund ganz alleine vorgenommen hatte: Der Hund ist vor uns in die Wohnung gegangen, in der sich ein mutmaßlicher Vergewaltiger aufhalten sollte. Erst mit Verzögerung konnten wir die Wohnung betreten und siehe da: der Hund hatte die Person bereits auf dem Boden fixiert und sozusagen festgenommen! 
Aber auch die schwere Verletzung unseres Diensthundes Haix, der im Einsatz durch ein Messer schwer verletzt wurde und nur durch das beherzte Eingreifen zweier Rettungskräfte der Feuerwehr überlebt hat.

Wie viele Leckerlis gehen hier pro Woche durch?
Pro Hund sicher ein kg! 

Hast du einen Lieblingskollegen auf vier Pfoten?
Na klar - Pax! Warum? Weil er genauso verrückt ist wie sein Chef 😉



50 Jahre Diensthundeschule – das musste gefeiert werden! Gestern wurde das große Jubiläum gebührend begangen – mit einer bunten Gästeschar, zu der auch viele der wichtigsten Wegbegleitenden zählten, die die Entwicklung der Schule über die Jahre geprägt und unterstützt haben. Neben dem Polizeiverein Hamburg e.V., der die Ausrichtung der Feier unterstützte, gilt ein großes Dankeschön allen Partnern, Institutionen und Unterstützenden, die in den letzten fünf Jahrzehnten dazu beigetragen haben, dass die Diensthundeschule heute ein Ort ist, an dem Mensch und Hund Seite an Seite für Hamburgs Sicherheit arbeiten!

Auch wir gratulieren herzlich zu einem halben Jahrhundert Diensthundeschule sowie hunderten von Grund- und Speziallehrgängen und wünschen Mensch und Tier weiterhin viel Freude im Beruf. Auf die nächsten 50!

 

Katharina Dehn, PÖA 2