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Stand: 01.09.2026, 00:00

150 Jahre Kripo Hamburg – Vom Karteikasten zur Künstlichen Intelligenz

Lesezeit: 4 Minuten | Erscheinungsdatum: 1. September 2026

14 Männer, ein klarer Auftrag – und jede Menge Papierkram: Als die Hamburger Kriminalpolizei 1876 an den Start ging, war von Hightech, DNA-Datenbanken oder digitaler Forensik noch keine Rede. Die erste „Criminalpolizei“ bestand aus gerade einmal zwei Beamten, zwei Sergeanten und zehn Officianten. Heute, 150 Jahre später, ist daraus eine hochspezialisierte Kriminalpolizei geworden, die mit moderner Technik, internationaler Vernetzung und viel kriminalistischem Know-how auf Täterjagd geht.

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Hamburg war schon damals ein besonderer Tatort. Hafen, Handel, Wohlstand und das legendäre St. Pauli-Milieu sorgten für eine bunte Mischung aus kleinen und großen Delikten. Und die Kripo lernte schnell dazu. Einer, der dabei ordentlich Tempo machte, war Dr. Gustav Roscher, der die Hamburger Kripo ab 1892 leitete. Registraturen, Erkennungsdienst und Verbrecherkartei gehörten zu seinen Ideen. Später kamen Telegraph, Telefon, Daktyloskopie und eine eigene fotografische Anstalt hinzu. Für die damalige Zeit: ziemlich fortschrittlich.

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Für einen fortschrittlichen Frauenanteil hat es dann noch bis 1927 gedauert, als die „Weibliche Kriminalpolizei“ unter Josephine Erkens ihre Tätigkeiten aufgenommen hat. Drei Kriminalbeamtinnen kümmerten sich zunächst vor allem um den Schutz von Frauen, Mädchen und Kindern.

Die Geschichte der Kriminalpolizei hat allerdings auch ihre dunklen Kapitel. Während der NS-Zeit wurde die Kripo zum Instrument der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik und war an schweren Verbrechen beteiligt. Diese Vergangenheit gehört zur Geschichte der Kriminalpolizei und muss auch 150 Jahre später klar benannt und aufgearbeitet werden.

Nach dem Krieg veränderte sich die Kripo grundlegend. Aus den Ermittlungspersonen mit Aktenordner und Karteikasten wurden zunehmend spezialisierte Kräfte für ganz unterschiedliche Kriminalitätsfelder. Mord, Raub, Sexual- und Wirtschaftskriminalität, Organisierte Kriminalität, Staatsschutz oder Cybercrime: Die Aufgaben wurden vielfältiger – und die Methoden immer moderner.

Und Hamburg lieferte reichlich Fälle, an denen sich diese Entwicklung zeigte: vom Säurefassmörder über den Heidemörder und den Kaufhauserpresser „Dagobert“ bis zur Reemtsma-Entführung. Später kamen Fälle wie der NSU-Mord in Hamburg, EncroChat-Ermittlungen, die BAO Hammer oder die Ermittlungen rund um „White Tiger“ hinzu. Die Tatorte veränderten sich – und mit ihnen die Ermittlungsarbeit.

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Heute ist die Kripo längst Hightech: Im LKA 3 sichern und analysieren Spezialistinnen und Spezialisten DNA, Fingerabdrücke, Werkzeug- und Schusswaffenspuren. Chemie, Toxikologie, Biologie, Elektrotechnik und moderne 3D-Technik helfen dabei, aus kleinsten Spuren wichtige Puzzleteile zu machen. Man könnte sagen: Das „CSI Hamburg“ ist keine Fernsehserie, sondern echte kriminalistische Arbeit.

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Gleichzeitig wird Kriminalität immer internationaler und digitaler. Täter sitzen längst nicht mehr zwingend in Hamburg – manchmal sitzen sie tausende Kilometer entfernt und greifen trotzdem Ziele in der Hansestadt an. Deshalb gehört die Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern, dem BKA und internationalen Partnern ebenso zum Alltag wie die enge Kooperation innerhalb der Polizei Hamburg.

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1989 wurde das LKA Hamburg gegründet. Eine Zeit, in der sich die Kriminalitätslage massiv veränderte: Drogenkartelle, Organisierte Kriminalität, der Mauerfall und der Zusammenbruch des Ostblocks stellten die Ermittler vor völlig neue Herausforderungen. Die Antwort damals wie heute: neue Strategien entwickeln, vernetzt denken und auch einmal Neuland betreten.

Und jetzt? Weiterdenken! Denn auch zum 150. Geburtstag ist für die Kriminalpolizei natürlich längst nicht Schluss. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren hat sich im LKA einiges bewegt. Unter der Leitung von Jan Hieber, der 2022 die Führung des Landeskriminalamtes übernommen hat, wurde der Veränderungsprozess „Kripo weiterdenken“ angestoßen. Die Grundidee: Kriminalität verändert sich – also muss sich auch die Kripo verändern.

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„150 Jahre Hamburger Kriminalpolizei stehen für eine lange Tradition – aber vor allem auch für die Notwendigkeit und Fähigkeit, sich immer wieder auf neue Herausforderungen einzustellen. Heute haben wir es in der Gesellschaft wie der Polizei mit einer Zeitenwende zu tun: Hybride Bedrohungen verwischen die Grenze zwischen innerer und äußerer Sicherheit. Die zweite Zeitenwende geschieht im Kriminalitätsgeschehen selbst: Kriminalität verlagert sich immer mehr in den digitalen Raum, künstliche Intelligenz ermöglicht Straftaten in noch nicht dagewesener Qualität und Anzahl. Dazu kommen schwierige Rahmenbedingungen, denn sowohl der aktuelle als auch der zukünftige Haushalt setzt uns enge Grenzen.

Um die Kriminalitätsbekämpfung der Zukunft unter diesen Herausforderungen trotzdem erfolgreich zu gestalten und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in das Sicherheitsversprechen des Staates zu erhalten, müssen wir daher innovative Wege gehen.

So stellt die Fokussierung auf das Erkennen und Minimieren von Risiken, die von gefährlichen Personen ausgehen, einen wichtigen Paradigmenwechsel dar, der uns gleichzeitig zwingt, klare Prioritätsentscheidungen zu treffen. Dafür arbeiten wir intensiv an einer engeren Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, wie der Sozialbehörde und der Justiz. Ein bundesweit beachtetes Modell ist die Gemeinsamen Eingangs- und Bearbeitungsstelle von Polizei und Justiz, in der wir gemeinsam mit der StA schlankere Bearbeitungsprozesse entwickeln und erproben. Im Rahmen unserer Gemeinsamen Strafverfolgungsstrategie mit der Justiz wollen wir dieses Konzept noch weiter ausbauen.

Seit 150 Jahren hat sich eines nämlich nicht verändert: Wir wollen die Menschen in Hamburg bestmöglich vor Kriminalitätsgefahren schützen.“

— Jan Hieber, Leiter des Landeskriminalamtes Hamburg

Vom Karteikasten zur Künstlichen Intelligenz, von 14 Kräften zu 2.500 hochspezialisierten Mitarbeitenden im LKA, verteilt auf 64 Dienststellen: 150 Jahre Kripo Hamburg sind vor allem 150 Jahre Veränderung. Und wenn eines sicher ist, dann dies: Auch die nächsten Jahre werden der Kripo genügend Stoff zum Weiterdenken liefern.

Katharina Dehn, PÖA 2